Teil 1: Technische Grundlagen und Geschichte
LEDs erobern immer mehr Anwendungen und verdrängen die herkömmlichen
Leuchtmittel. Um Ihnen einen Überblick über die Technologie zu geben,
veröffentlichen wir eine Serie von vier Beiträgen zum rasanten Aufstieg der
LED-Technik. Im ersten Teil zeigen wir die technologischen Grundlagen und die
Geschichte der LED.
Menschen erhalten bis zu 80% aller Informationen über das Auge. Deshalb ist
die visuelle Wahrnehmung für den Menschen extrem wichtig. Insbesondere in der
dunklen Jahreszeit kann ein Lichtmangel zu Winterdepressionen führen. Diese
Krankheit lässt sich mit speziellen medizinischen Leuchten behandeln.
Gutes Licht ist außerdem für die Erleichterung der Arbeit wichtig. Gutes
Licht schafft in vielen Bereichen Sicherheit, da Gefahren rechtzeitig erkannt
und Fehlerquellen reduziert werden können. Für das private und berufliche Umfeld
lässt sich generell sagen: Je besser das Licht ist, desto geringer die
Fehlerquote und desto höher die Leistungsfähigkeit.
Was ist überhaupt Licht?
Licht ist eine elektromagnetische
Welle und wird durch seine Frequenz- bzw. Wellenlänge sowie die Intensität
beschrieben.
Das für den Menschen sichtbare Licht liegt bei einer Wellenlänge, die kürzer
ist als die der Infrarotstrahlen, aber länger als die der UV-Strahlen.
Für den Menschen sichtbar ist der Bereich zwischen 380 und 780 nm. Ein
Nanometer entspricht 10-9 m.
Historische Entwicklung der LED
Wie allgemein bekannt, steht LED für die Abkürzung des englischen Begriffes
„Light Emitting Diode“. Doch wo kommt sie her?
- 1907 entdeckte der Engländer Henry Joseph Round den physikalischen Effekt
der Elektrolumineszenz. Dieser gerät zunächst in Vergessenheit, da das
ursprüngliche Ziel seiner Forschungsarbeit ein Funkortungsverfahren für die
Seefahrt war.
- 1962 kommt die erste industriell gefertigte LED in GaAsP-Technologie auf den
Markt.
- 1970 waren dann außer der Farbe rot auch LEDs in rotorange, gelb und
schließlich in grün kommerziell verfügbar.
- 80er bis 90er Jahre, die ersten Leistungs-LEDs in rot, später rotorange,
gelb und grün sind verfügbar.
- 1995 wird die erste LED mit weißem Licht aus der Methode der
Lumineszenzkonversion vorgestellt.
Leuchtdioden und wie sie funktionieren
Sie liefern
im Gegensatz zu anderen Lichtquellen ein nahezu monochromatisches Licht mit
hoher Farbsättigung. Die Konversion der Lichtenergie aus dem Halbleiterkristall
basiert dabei auf dem Prinzip der Elektrolumineszenz. Moderne LED-Technologie
vereint die Vorzüge einer kompakten Bauweise mit hoher Energieeffizienz und, bei
gutem Thermomanagement, eine Lebensdauer von > 50.000 Stunden.
Die Energieumwandlung in der
Glühlampe findet durch Glühemission statt. Dabei wird elektrische Energie in
Gitterschwingungen der Moleküle gewandelt. Diese Lichtenergie hat dann aber
einen hohen Anteil im Infrarotbereich. Bei der LED finden statt dessen
Elektronenübergänge zwischen Atom- und Energieniveaus statt, die im
Halbleiterkristall als Energiebänder vorliegen. Damit sind nur Strahlungsquanten
mit einer dem Energieabstand entsprechenden Wellenlänge (Farbe) möglich, was zu
einer monochromatischen Farbemission der LED führt.
Die Farbe wird also durch die chemische Zusammensetzung bei der Fertigung
des Wafers definiert. Als Basis dienen dabei Elemente aus der dritten und
fünften Hauptgruppe des Periodensystems. Typisch für diese Gruppe sind GaAs in
InP. Aber erst die Zugabe von anderen Elementen (Dotierung) macht daraus einen
leitfähigen Halbleiter (PN-Übergang). Die durch elektrische Spannung angeregten
Elektronen wandeln ihre Energie im Bereich des PN-Überganges Rekombination in
sichtbares Licht um. Eine genaue Beschreibung dieses Vorganges erfordert einen
tiefen Einstieg in die Festkörperphysik und kann dem Leser an dieser Stelle
nicht zugemutet werden. Zur Ergänzung sei erwähnt, dass InGaN für die Farben
Blau (Weiß) und Grün, sowie AlInGaP für die Farben Gelb, Orange und Rot
zuständig sind.
Wie das weiße Licht der LED entsteht
Es
gibt keinen Halbleiter, der mehrere Farben gleichzeitig erzeugen kann. Daher
benutzt man zur Erzeugung von weißem Licht aus der LED ein ähnliches Prinzip wie
in der Leuchtstoffröhre. Das kurzwellige Spektrum einer blauen LED regt die
Leuchtstoffe mit gelbgrünen Spektralbereich zum leuchten an. Zusammen ergibt das
ein Mischspektrum in der Farbe Weiß. Als Leuchtstoff werden komplizierte
Phosphormischungen verwendet, die allesamt durch weltweite Patente geschützt
sind. Moderne Phosphormischungen erlauben es heute LEDs in Farbtemperaturen
zwischen 2700 und 10.000 K bei einem Farbwiedergabeindex Ra>90 herzustellen.
Ein anderer Ansatz zur Erzeugung von weißem Licht aus der LED besteht aus der
Verwendung von mehreren monochromatischen Chips der Grundfarben Rot, Grün und
Blau. Durch Mischung dieser Grundfarben im richtigen Verhältnis kann ebenso
weißes Licht erzeugt werden, das ähnlich dem Farbfernsehprinzip funktioniert.
Nachteile dieser Methode sind jedoch niedrige Farbwiedergabeindizes und
niedriger Wirkungsgrad sowie höhere Kosten bei der Herstellung.
Gehäusevarianten sind nicht standardisiert
Das Gehäuse hat die Aufgabe den Halbleiter vor Umwelteinflüssen wie
Feuchtigkeit, Schmutz, Gasen und Chemikalien zu schützen. Die wichtigste Aufgabe
des Gehäuses ist aber der Transport der Wärmeenergie vom Halbleiter an die
Umgebung. Die Anzahl der auf dem Markt verfügbaren Gehäusevarianten wächst
ständig, da diese bisher noch nicht standardisiert sind, was auf der anderen
Seite eine fortlaufende Optimierung der thermischen und optischen Eigenschaften
ermöglicht. Dies gilt besonders für Leistungs-LEDs >1 W. Durch Forderungen
aus der Industrie und der Automobiltechnik wurde in den 1990er Jahren die
SMT-Technologie bei den LEDs etabliert. Diese Bauformen sind in der Praxis heute
in einem Leistungsbereich von bis zu 2 bis 3 W einsetzbar. Bei höheren
Leistungen bietet die COB- (Chip on Board-)Technologie eindeutige Vorteile für
das thermische Management des oder der Halbleiter.
Elektrisches Verhalten und das Kennlinienfeld
Die LED ist elektrisch gesehen ein PN-Übergang, also eine Diode, welche in
Durchlassrichtung betrieben wird und eine Diode ist elektrisch gesehen ein
stromgesteuertes Bauteil. Daher werden in den Datenblätter auch alle Angaben auf
einen definierten Strom bezogen, nie auf eine Spannung. Zum Strom gehört aber
auch immer eine anliegende Spannung.
Strom und Spannung legen also den Arbeitspunkt der LED im
Strom-Spannungs-Kennlinienfeld fest. Typische Vorwärtsspannungen von
Leuchtdioden liegen, je nach Farbe, zwischen 1,5 und 4 V. COB-Lichtfelder
unterscheiden sich aufgrund der Gruppenanordnung der Chips.
Die Zukunft der weißen LED
Im Jahr 2005 hatte die weiße LED eine
Effizienz von 40 lm/W. Durch konsequente Weiterentwicklung in den Bereichen der
Chip-, Gehäuse- und Phosphortechnologie liegt die aktuelle Effizienz bei knapp
über 100 lm/W für industriell gefertigte LEDs. Unter Laborbedingungen sind bis
zu 160 lm/W möglich. Noch in diesem Jahr wird eine Effizienz von 140 lm/W bei
der Serienproduktion für einige Hersteller möglich sein. Allein für dieses Jahr
wird ein Wachstum der LED-Branche um mindestens 35% erwartet und prognostiziert.
Durch die schnelle Entwicklung der Effizienz kann die weiße LED zukünftig mit
allen gängigen Technologien wie Halogen, Quecksilber und Leuchtstoffröhren
konkurrieren. Eine höhere Effizienz bedeutet auf der anderen Seite eine
Kostenreduktion. Daher gilt die Annahme, dass spätestens 2015 sich die Kosten
der LED-Leuchtmittel sich an die klassischen Lichterzeugungstechnologien
angepasst haben.
Einsatzbereiche und Vorteile in der Anwendung
LEDs sind heute die effizientesten Leuchtmittel für die Industrie. Bei der
rasanten Entwicklung werden kompakte Lichtquellen mit hohen Lichtströmen
möglich. Vorausgesetzt und unbedingt notwendig ist dabei allerdings ein
professionelles, thermisches Management um die vorgegebenen Lebensdauerangaben
zu erreichen. Weißes Licht aus der LED ist mittlerweile in sehr guter Qualität
und mit hoher Effizienz herstellbar. Durch die weiterentwickelte und moderne
Phosphortechnologie kann das Licht auf ideale Weise an seine Umgebung und für
den jeweiligen Einsatzzweck angepasst werden. Die kompakte Bauform ermöglicht
Designern und Leuchtenherstellern völlig neue Wege in der Beleuchtungstechnik
einzuschlagen. Bei der Herstellung der LED werden keine umweltschädlichen
Materialien wie Quecksilber oder toxische Gase verwendet. Die notwendigen
Vorschaltgeräte arbeiten Niederfrequent und erzeugen somit weniger,
gesundheitlich belastenden Elektrosmog. Das Startverhalten liegt im
Nanosekundenbereich, hohe Ein- und Ausschaltzyklen haben keinen negativen
Einfluss auf das Leuchtmittel (Sektionsbeleuchtung).
Die Grenzen des LED-Einsatzes
Niedrige Temperaturen haben ebenso keinen Einfluss auf das Startverhalten.
Eine stabile Lichtfarbe und große Lebensdauer ermöglichen eine hohe
Lichtqualität über lange Zeiträume in der Beleuchtungstechnik. Aufgrund des
notwendigen Kühlkörpers kann die LED-Technik bisher noch nicht überall verwendet
werden. Da sie gerichtetes Licht erzeugen, sind sie als Ersatz in Leuchten,
welche zum Beispiel für Glühbirnen entwickelt wurden, nur bedingt einsetzbar.
*Thomas Müller ist für das Marketing Optoelektronik bei MSC in Stutensee
verantwortlich.
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